Wege aus der Krise: Was kann jeder einzelne tun?

Markt1

Von Prof. Dr. Christian Kreiß, Hochschule Aalen

Um nachhaltige, ernsthafte Wege aus der Krise zu beschreiten, sollen im folgenden drei konkrete Schritte vorgestellt werden, mit denen jeder Einzelne von uns über einen Bewusstseinswandelprozess zu einer krisenfesteren, besseren und sozialeren Gesellschaft beitragen kann, anstatt auf die kosmetischen Maßnahmen seitens der Politiker und führender Wirtschaftsvertreter zu vertrauen.

1. Verantwortlicher Umgang mit Kapital und Zinsen

Ein weit verbreitetes Vorurteil in unserer Gesellschaft lautet, dass Geld „arbeitet“ bzw. dass man von Geld leben kann. Ein Beispiel zur Verdeutlichung: Angenommen jemand habe 1 Mio. Euro geerbt oder anderweitig bekommen und erhalte hierfür 5 % Zinsen pro Jahr, so bekommt er 50.000 Euro pro Jahr. Er beschließt, die Arbeit einzustellen und von den Zinsen zu leben. Nun könnte man auf dem Standpunkt stehen, man lebe von diesen 50.000 Euro  pro Jahr. Vordergründig stimmt dies auch, bei genauerem Nachdenken jedoch nicht. Alles, wovon man konkret lebt, was man konkret von den Zinsen kauft, etwa Nahrung, Kleidung, das Haus, in dem man wohnt usw., alles muss von anderen Menschen erarbeitet werden. Selbst die effizientesten Maschinen müssen von Menschen ersonnen, gebaut, installiert, bedient, gewartet usw. werden. Ohne menschliche Arbeitskraft geschieht keine Produktion. Real, in Wirklichkeit, lebt man nicht von Geld oder Zinsen, sondern immer von der Arbeit anderer Menschen. Geld kann nicht arbeiten. Geld ist bei uns ein Machtinstrument, um über Güter und menschliche Arbeitskraft zu verfügen.

Je mehr Zins, Dividende etc. jeder einzelne bei seiner Geldanlage verlangt und erhält, desto mehr müssen andere Menschen für ihn arbeiten, denn desto mehr muss der Kreditnehmer arbeiten und umso teurer werden die mit diesem hoch verzinsten Kapital hergestellten Güter für uns alle. Wenn einzelne Menschen oder Personengruppen höhere Zinsen oder Dividenden erzielen als das nominale Wachstum des Sozialproduktes ist, heißt dies, dass real andere Menschen weniger Güter als zuvor haben müssen.

Um zu einem verantwortungsvollen Umgang mit Kapital und Zinsen zu kommen, kann man sich fragen: Was macht die Bank oder Versicherung oder der Fonds, dem man sein Geld anvertraut mit dem Geld? Wie und wo und zu welchen Konditionen wird es angelegt?

Es kann ein Bewusstseinswandel bei jedem einzelnen von uns hin zu mehr sozialer Verantwortung und Rücksichtnahme eingeleitet werden, wenn man sich die Tatsache bewusst macht:

Von Geld kann man nicht leben, man lebt immer von der Arbeit anderer Menschen.

 

2. Anspruchsdenken, Rechte und Pflichten

Wenn alle in der Gesellschaft immer nur daran denken, was einem zusteht, welche Ansprüche und Rechte man hat, wenn alle immer nehmen wollen und niemand geben, so entsteht daraus zwangsweise langfristig ein Konflikt um den verfügbaren Güterberg. Man denke an die Steuerehrlichkeit in Deutschland oder an die starke Inanspruchnahme von für den einzelnen Nutzer scheinbar „kostenlosen“ Gesundheitsdienstleistungen oder manchen Sozialleistungen. „Kostenlos“ heißt in diesem Falle, dass die anderen abgeben bzw. zahlen müssen.

Erziehung und Medien fördern in starkem Maße Anspruchsdenken und egoistisches Verhalten. Jeder einzelne von uns kann hier einen Bewusstseinswandel hin zu mehr sozialem Verhalten und Rücksichtnahme einleiten, indem man sich folgende Aussage immer wieder vor Augen führt:

Alles, was ich von der Gemeinschaft in Anspruch nehme, alles was ich durch Arbeitsleistung beitragen könnte und nicht beitrage, verteuert das Leben für alle anderen.

 

3. Unnötige Produkte und unnötige Arbeit vermeiden

Einleitung: Robinson und Leidensgenossen auf einer einsamen Insel

Angenommen, Robinson würde mit vier weiteren Leidensgenossen auf eine einsame Insel verschlagen. Er selbst übernehme das Angeln, ein anderer das Herstellen von Kleidung und Schuhen, der Dritte bestelle die Felder und der Vierte sorge für Hausbau und Haushalt. Der Fünfte übernähme die Aufgabe, für jeden der vier anderen bei den jeweils drei anderen Marketing und Werbung zu machen. Wie viel trägt der Fünfte zum Wohle aller bei?

Eines der Grundaxiome in der gängigen Ökonomielehre besagt, dass es unnötige Produkte bzw. unnötige Arbeit auf Dauer in einer Marktwirtschaft nicht geben kann, da die Marktkräfte diese mittel- bzw. langfristig eliminieren. Dies ist jedoch falsch. Es gibt dauerhaft eine Fülle derartiger Produkte bzw. unnötiger Arbeit in unserem Lande. Die Konsequenzen daraus für die Wirtschaftspolitik sowie unser Alltagsleben sind erheblich.

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